Dauerstress effektiv und einfach durch schnelle Massnahmen bewältigen

Der internationale Gesundheitswissenschaftler Prof. Dr. Karl J. Neeser klärt auf,
wie man den Dauerstress effektiv und einfach durch schnelle Massnahmen bewältigen kann


Bei Stress muss man unterscheiden zwischen kurzzeitigem Stress und langfristigem Stress. Bei kurzfristigem Stress ist ein Hormon wirksam, das Adrenalin, das aber nur kurze Zeit wirkt. Das ist eigentlich nicht gefährlich. Was viel gesundheitsschädlicher ist, ist der langwierige Stress. Da ist ein Troublemaker verantwortlich: das sogenannte Cortisol. Das ist ein Hormon, das anderen Hormonen schadet. Andere Hormone können sich nicht richtig ausdrücken. Das Problem ist eigentlich, dass das Cortisol ein lebenswichtiges Hormon ist, das verantwortlich für den Kohlenhydrathaushalt, den Fettstoffwechsel und den Eiweiss Umsatz ist. Das Cortisol sollte aber nur kurze Zeit, nur wenige Stunden am Tag, dominant sein. Menschen die konstant gestresst sind haben praktisch 24 Stunden am Tag einen hohen Cortisolspiegel. Das hat dann einen negativen Einfluss auf verschiedene Organsysteme, unter anderem dem Schlaf. Gleichzeitig schränkt es die Wirkung der Steroidhormone, wie Estrogen oder Testosteron ein. Wenn das über längere Zeit der Fall ist, kann das für die Gesundheit sehr kritisch werden.

Das mache ich sehr gerne. Cortisol ist ein Hormon, das einen Gegenspieler hat, das DHEA, das Dehydroepiandrosteron. Das ist das Hormon, das in unserem Leben am meisten ausgeschieden wird, und zwar vor allem wenn man sich bewegt. Darum sagt man, Bewegung ist die beste Stressbremse. Es ist einfach so, dass das Cortisol und das DHEA im Gleichgewicht sein müssen. Man redet von einer sogenannten dualen Balance. Das heisst, dass jemand, der sich regelmässig viel bewegt, hat einen sehr guten DHEA-Spiegel und da kann das Cortisol nicht unendlich lang, also 24 Stunden lang, wirksam sein. Darum ist Bewegung vermutlich das Beste, was man gegen Stress tun kann.

Ich habe von dieser dualistischen Balance gesprochen, das ist eigentlich das sogenannte vegetative Nervensystem, das da in Aktion tritt. Das Cortisol ist das sogenannte Gaspedal, und das DHEA ist das sogenannte Bremspedal. Dann kommt noch ein zweites Hormon dazu, das Serotonin. Das ist ein Glückshormon. Diese beiden Hormone, das DHEA und das Serotonin, werden beide vor allem auch bei Yoga und Meditationstätigkeit stark ausgeschieden, also produziert.

Das ist keine einfache Frage. Die einfachste Strategie oder Übung ist vertieftes Atmen. Das kann man in den Alltag einbauen. Also fünf- bis sechsmal am Tag zwei bis drei Minuten lang tief atmen, bis in den Bauchraum hinein. Man sieht bei Personen die gestresst sind, dass sie eine sogenannte flache Atmung haben. Die vernachlässigen die tiefe Atmung komplett. Das ist ein sehr guter Tipp. Langfristig hilft das aber wahrscheinlich nicht. Man muss darauf achten, dass man sich bei Stress Zeit nehmen muss, auch für sich selber, auch am Wochenende. Man sollte sich nicht auch noch am Wochenende stressen, sondern auch mal etwas Sport treiben, in die Natur hinausgehen – an die Sonne! Das damit gewonnene Vitamin D senkt übrigens auch das Cortisol. Also, in die Natur hinausgehen, sich bewegen, einen Spaziergang machen. Das kann man auch zwei-, dreimal in der Woche tun, wenn man am Abend nach Hause kommt. Vielleicht 15, 20 Minuten um den Block gehen für die Entspannung und nicht gleich vor den Fernseher sitzen sobald man am Abend zuhause ist.

…Du hast vorher Schlaf erwähnt. Darüber möchte ich in der nächsten Sendung mit dir sprechen…