Arthrose

Gelenkbeschwerden


Arthrose kann man nicht heilen, es gibt aber sehr viele verschiedene Methoden zur Behandlung. Unser Gast, Herr Professor Haiko Sprott (Rheumatologe und Schmerzspezialist, Zürich.), informiert über die möglichen Massnahmen.

(Sendung vom 16.12.2018)

Es ist gut, wenn man sie auseinanderhält, denn die therapeutischen Möglichkeiten sind sehr sehr unterschiedlich. Arthritis: Arthros = das Gelenk, -itis = Entzündung, also die Gelenkentzündung.

Arthrose: Die Abnutzung der Gelenke. Also eine degenerative Erkrankung und damit auch die häufigste Erkrankung, die wir heute antreffen in der Bevölkerung.

Nein! Kann man nicht. Aber die Forschung ist sehr aktiv, seit vielen Jahren schon.  Und man forscht natürlich dahingehend, zu schauen, ob man den Knorpel am Leben halten kann mit verschiedenen Massnahmen; oder vielleicht sogar, und das ist Zukunftsmusik, ihn ersetzen kann.

Also ein Knorpel kann schon wachsen. Das wissen wir aus dem Reagenzglas. Allerdings müssen die äusseren Bedingungen ideal dafür sein. Das ist im Gelenk nicht so, weil: Arthrose hat ja einen Grund.

Also durch Fehlbelastung, durch zu viel Belastung, durch Übergewicht zum Beispiel oder auch durch gestörte Mikrozirkulation, bei Rauchern ist das häufig der Fall, wird der Chondrozyt, das ist die Knorpelzelle, nicht so gut ernährt und deshalb kann sich der Knorpel auch unter diesen Bedingungen nicht wieder erholen.

Ich würde erstmal fragen, was gibt es in deiner Geschichte? Warum hast du eine Arthrose? Du bist ja noch sehr jung. Hattest du einen Unfall mit dem Knie? Und wenn wir dann herausgefunden haben, was der Grund dafür ist, werde ich dir vorschlagen, wie wir behandeln können. Es gibt nämlich sehr viele unterschiedliche Methoden. Es gibt die nicht-medikamentösen Methoden, das sind Kräftigungstherapien der Gelenke. Es gibt die medikamentösen Methoden, d.h. man kann entweder etwas einnehmen, oder man kann lokal etwas einreiben. Und dann gibt es die interventionellen Methoden, d.h. man spritzt Substanzen ins Gelenk.

Z.B. wenn ein Gelenk sehr stark entzündet ist, dann würde man die Gelenkflüssigkeit erstmal herausziehen und Kortison hineinspritzen, dass die Entzündung weggeht. Ansonsten gibt es die Möglichkeit, der sogenannten Viscosupplementation, das ist Hyaluronsäure, die man ins Gelenk spritzt. Oder es gibt auch die Möglichkeit, des plättchenreichen Plasmas. Das ist ganz interessant, weil, man entnimmt vom Patienten Blut, zentrifugiert das, und diese Thrombozyten, also die weissen Blutzellen mit den Wachstumsfaktoren, spritzt man wieder zurück ins Gelenk und regt damit das Gelenk an, dass es sich wieder erholt. Das ist die Eigenbluttherapie.

Jein. Weisst du, es ist so: Man muss schauen, erstens, wie viele Gelenke sind betroffen? Ist es etwas Systemisches, wo man eben auch Schmerzmedikamente einnehmen soll oder ist es vielleicht nur ein Gelenk, das man lokal behandeln soll? Ich tendiere immer dahingehend, dass wenn es ein Problem lokal gibt, es auch lokal zu behandeln. Die nichtsteroidalen sind die typischen, die sind nicht so einfach in der Handhabung, haben auch ihre negativen Seiten, gerade in der Langzeitanwendung. Kortison hat einen schlechten Ruf. Nicht immer begründet, weil, wenn man Kortison wirklich differenziert einsetzt, kann es durchaus hilfreich sein. Man darf nur nicht schaden. Das ist ja etwas das wir Ärzte eigentlich nie tun sollten, wir sollten nicht schaden.

Ja, schwierig. Du meinst die Schmerzen im Knie?

Ich würde dir auch lokale Massnahmen empfehlen. Weisst du, z.B. gibt es da Schmerzpflaster, die man da draufkleben kann. Oder wir könnten natürlich auch, wenn es sich um Reizungen der Sehnenansätze handelt, auch mit den Blutegeln behandeln. Es gibt also sehr viele verschiedene Möglichkeiten. Akupunktur wäre auch denkbar.