Rheuma

Volkskrankheit Nr. 1.


Zwei Millionen Menschen sind in der Schweiz von rheumatischen Beschwerden betroffen. Unser Gast, Herr Professor Haiko Sprott (Rheumatologe und Schmerzspezialist, Zürich.), klärt uns heute auf.

(Sendung vom 03.12.2018)

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Das Rheuma gibt es nicht. Unter dem volkstümlich verwendeten Begriff Rheuma verbergen sich mehrere hundert verschiedene Erkrankungen.

Die häufigsten sind die Arthrosen und die Rückenerkrankungen. Das sind die Erkrankungen, die im Laufe des Alters passieren, durch Abnutzung.

Dann gibt es weichteilrheumatische Erkrankungen, zum Beispiel der Tennisellbogen.

Die Knochen-Erkrankungen gehören dazu, bekannt ist die Osteoporose. Und ein kleiner Teil der rheumatologischen Erkrankungen sind die Entzündungen, zum Beispiel Arthritis oder Bindegewebe-Erkrankungen.

Absolut, ja. Die Patienten klagen über Schmerzen, das ist das häufigste Symptom überhaupt. Und das kann schon im Kindesalter passieren, bis ins hohe Alter hinein.

Zum einen sind die häufigsten die Abnutzungs-Erkankungen. Je älter wir werden, je mehr haben wir Patienten die darunter leiden.

Zum anderen ist die Medizin besser geworden, die Diagnosen werden häufiger gestellt. Deshalb haben wir den Eindruck, dass es mehr sind. Aber ich glaube es waren schon immer genau so viele.

Schon im letzten Jahrhundert gab es diese Erkrankungen, obwohl die Menschen nicht so alt geworden sind. Die mittlere Lebenserwartungen betrug etwa 65 Jahre. Jetzt liegen wir schon bei etwa 85 Jahren.

Das ist eigentlich ein ganz grosses Problem. Weil ich würde nicht zu lange warten. Weil wir wissen durch Studien, dass die Diagnose häufig über viele Jahre verschleppt wird.

Rheuma kann sehr unspezifisch beginnen, zum Beispiel auch an der Haut wie Schuppenflechte. Und die Patienten werden behandelt, behandelt, behandelt – zum Beispiel mit Salben. Und die Arthritis, die damit einhergehen kann, entwickelt sich weiter.

Oder der Bechterew, eine entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule, diese Erkrankung wird viel zu spät diagnostiziert und junge Menschen leiden darunter. Und denen kann man helfen, wenn man sie rechtzeitig diagnostiziert und die richtige Therapie einleitet.

Ja, es ist wirklich teuer, dass muss man sagen.

Das liegt zum einen daran, dass unsere Bevölkerung immer älter wird und damit häufiger an Arthrosen leidet.

Und zum anderen liegt es daran, dass sich die Medizin weiterentwickelt. Zum Bespiel hatten wir in der Rheumatologie vor ca. 30 Jahren eine Revolution. Das bedeutet, wir waren erstmals in der Lage durch neue Medikamente, sogenannte Biologika, auch Gelenkdistruktionen zu verhindern. Konnten wir vorher nicht. Und das ist ein Riesenfortschritt. Allerdings ist die Herstellung dieser biologischen Medikamente sehr, sehr aufwendig, sehr, sehr teuer – das macht es natürlich aus.