Krebs

Komplementäre Krebstherapie


Was ist mit der komplementären Krebstherapie in der Onkologie möglich? Dr. med. Simon Feldhaus, Präsident SSAAMP und Selda Tatli’s Gast in den nächsten 4 Sendungen, erklärt erstmal die grundlegenden Möglichkeiten und ihre Wirkungen.

(Sendung vom 02.06.2019)

Das ist kein geschützter Begriff, der alles definiert. Das ist im Prinzip eine Zusammenfassung von Methoden aus der Komplementärmedizin, die dazu dienen, den onkologischen Teil der Schulmedizin zu ergänzen, zu erweitern, zu verbessern, um für den Patienten letztendlich das bestmögliche Ergebnis herauszuholen und dadurch viel mehr zu gewinnen, als nur den Kampf gegen Krebs.

Eigentlich alle aus dem Gebiet der Komplementärmedizin. Ziel ist es allerdings, individuell auf den jeweiligen Fall bezogen, die bestmöglichen auszuwählen, aber man kann schon sagen, es gibt so ein paar grosse Gruppen. Das eine ist die Phytotherapie, also die Pflanzenheilkunde, besonders hier die Misteltherapie, aber auch auf andere sekundäre Pflanzenstoffe ausgerichtet. Dann gibt es den zweiten Teil der Orthomolekularmedizin. Das ist gerade bei Chemotherapie oder Bestrahlungen in der Kombination sehr entscheidend die richtigen Mikronährstoffe zu suchen. Dann alles aus dem Bereich der asiatischen Medizin. Hier vor allem aber auch die Heilpilztherapie. Psychologisch-psychotherapeutische Verfahren, sei das jetzt klassische Gesprächstherapie, Familienstellen oder ähnliches. Das kann alles auch ein Thema sein. Dann Ernährungstherapie natürlich. Mit welchen Ernährungsformen kann man vielleicht in bestimmten Konstellationen arbeiten. Aber auch Homöopathie, Bioresonanz, also nennen wir es informative Verfahren, haben absolut auch ihren Platz.

Eigentlich bei allen. Im Prinzip haben wir drei grosse Gruppen. Das eine ist Unterstützung der Schulmedizinischen Therapie im Sinne von Reduktion von Nebenwirkungen. Der zweite Teil ist direkte, wenn man so sagen darf, direkte Krebstherapie. Also was können wir mit der Naturheilkunde tun? Auch an der Krebszelle zu arbeiten. Und das dritte ist vielleicht das ganz System Mensch eben noch anzuschauen, der ja auch krank geworden ist. Insofern passen alle, auch alle Krankheitsphänomene. Es hat sich herausgestellt, dass hämatologische Krebsformen, also Krebsformen aus dem Blut selbst, natürlich etwas schwieriger sind, weil wir gar keine immunogenen Verfahren verwenden können.

Das ist eine ganz entscheidende Frage. Eigentlich so früh wie möglich. Letztendlich genau mit dem Tag der Diagnosestellung. Denn gewisse Massnahmen wirken eigentlich erst dann richtig, wenn sie vor Beginn der Chemotherapie starten. Ich kann mit orthomolekularer Medizin, die ich vor Beginn gestartet habe, viel mehr Nebenwirkungen reduzieren, als wenn ich mit der Chemo anfange. Dann treten Nebenwirkungen ein und ich laufe dann immer hinterher. Also insofern so früh wie möglich. In der Realität passiert das leider nicht.

Die kann es geben, klar. Vor allem wenn wir mit stofflichen Therapien arbeiten, hier jetzt besonders die Orthomolekularmedizin. Wenn ich das falsch mache, ist natürlich nicht auszuschliessen, dass man tatsächlich auch gewisse Dinge negativ bewirken kann, was man nicht tun sollte. Daher gehört das in Fachhand. Jemand muss wissen was er tut, bevor er sich daran traut.

Der Hauptvorteil ist, wie man so schön sagt: «Es ist nicht immer das Ziel, dem Leben mehr Tage zu geben, aber den Tagen mehr Leben». Also was wir eigentlich fast immer hinkriegen, ist Lebensqualität. Das ist das ganz Zentrale. Sie ist sicher deutlich höher, als ohne die Begleitung. Schon alleine weil es weniger Nebenwirkungen sind. Wenn die Chemotherapie nicht die Haare ausfallen lässt oder nicht die ganze Zeit Übelkeit macht, dann bin ich einfach viel mehr dabei, ich habe viel mehr vom Leben und ich bin nicht so beeinträchtigt. Ob es dann auch lebensverlängernd wirkt, ist juristisch und faktisch nicht zu sagen. Es gibt keine Studien, die das beweisen würden. Aber die Erfahrung zeigt, wahrscheinlich ist auch das ein Thema. Aber primär geht es mal wirklich um Lebensqualität.

Der grösste Teil ist wirklich bei der Chemotherapie. Wenn es einem durch die richtige Kombination und durch frühzeitigen Beginn gelingt, das entsprechend zu behandeln, ist die Rate an Übelkeit in der Regel massiv geringer, so dass einfach Patienten, die Chemotherapie nehmen wie (in Anführungszeigen) «Wasser», also ihr Leben fast normal weiterführen können und nicht die ganze Zeit im Bett liegen müssen, erbrechen, nicht mehr essen können oder so. Das gelingt doch in den meisten Fällen. Nicht immer natürlich, aber in den meisten Fällen.

Das ist das grösste Problem eigentlich. Überhaupt fast gar nicht. Es wäre noch okay, wenn sie sich nur schon interessieren würden. Die meisten Onkologen lehnen es aber ab oder raten den Patienten sogar aktiv ab, es zu tun.