Krebs

Phytotherapie bei Krebs


Dr. med. Simon Feldhaus klärt auf, welche Pflanzenstoffe bei Krebserkrankungen nebst der Mistel hilfreich sind und welche Wirkungsmechanismen dahinter stecken.

(Sendung vom 16.06.2019)

Da gibt es verschiedene grosse Gruppen. Der grösste Teil, oder der wichtigste Teil, ist sicher die Mistel in ihren Variationen. Dann klassische Phytotherapie aus dem europäischen Raum. Das sind die Bitterstoff-Drogen, die vor allem auf die Leber eine Wirkung haben. Und so aus dem eher asiatisch geprägten Bereich sind es dann die Heilpilze. Und als besonderen Teil der letzten Jahre haben sich die sekundären Pflanzenstoffe entwickelt, wo auch Kurkuma und ähnliches dazugehören würde.

Cannabis, speziell eben die CBD Anteile, die Cannabinoide, haben sehr interessante Wirkungen, wo die Forschung allerdings auch erst beginnt. Dass man schon von Antikrebswirkung sprechen kann, würde ich etwas übertrieben sehen. Aber besonders zur Nebenwirkungsreduktion sind Cannabinoide sicher eine sehr interessante Geschichte, vorausgesetzt die Bioverfügbarkeit ist gegeben. Das ist immer so der kleine Knackpunkt, ob es dann auch aufgenommen wird.

Kurkuma hat eine sehr gute Datenlage, gerade direkt gegen Krebszellen. Da muss man es aber intravenös geben. Wir arbeiten mit Kurkumainfusionen bei uns im Zentrum. Die orale Therapie, eine zusätzliche Einnahme von Kurkuma, ist eher in der Nebenwirkungstherapie dann zu sehen. Auch da Verbesserung der Verträglichkeit, Behandlung von Darmstörungen, Durchfall oder ähnliches durch Chemotherapie und weitere Probleme, die durch die Therapie entstehen.

Die Misteltherapie ist sicher der Grundpfeiler überhaupt der komplementären Onkologie. Für mich gibt es keinen Patienten ohne Mistel, wenn es nicht eine Kontraindikation gibt, natürlich. Sie stellt den Grundpfeiler dar, weil sie das Immunsystem verbessert. Sie hat direkt krebsangreifende Wirkungen, und sie hat enorme Wirkungen auf die Lebensqualität. Sie ist sicher das Mittel mit der grössten Verbesserung der Lebensqualität. Es gibt auch tolle, gut gemachte Langzeituntersuchungen und -studien. Leider ist in der letzten Zeit etwas Kritik aufgekommen, wo eine Veröffentlichung kam in Deutschland, dass Misteltherapie unwirksam sei. Die beruht dummerweise auf fehlerhaften Ausrechnungen. Das heisst, man hat absichtlich versucht, die Mistel negativ darzustellen, weil der Autor dieser Studie anerkannter und selbstaussagender Mistelgegner ist. Dadurch ist Verwirrung erzeugt worden. Aber wir haben über hundert Studien, die gut gemacht sind, inklusive einer lebensverlängernden Studie bei Pankreas Karzinom. Das ist die schwierigste zu behandelnde Krebsform überhaupt. Und wenn dann ein Pflanzenheilpräparat 3 – 4 Monate Lebenszeitverlängerung bringt, kann man sicher nicht von wirkungslos sprechen. Ich denke die Misteltherapie ist der absolut zentrale Pfeiler in der onkologischen Behandlung in der komplementärmedizinischen Onkologie.

Der eine ist der zentrale, das wären die sogenannten «natural killer cells». Das sind die Eliteeinheiten der American Marines unseres Immunsystems, die direkt auch eine krebsbekämpfende Wirkung haben. Der zweite Aspekt ist so ein bisschen mehr ein holistischer, der so aus der anthroposophischen Medizin kommt, wo es dann um Reduktion von Ängsten, psychische Stabilisierung, Lebensqualität geht. Das sind so die beiden Schwerpunkte. Also ein direkter und ein indirekter Wirkungsbereich.

Die Forschung. Da ist natürlich noch zu wenig wirklich hartes Datenmaterial, als dass wir jetzt alles einschätzen können. Kurkuma ist sicher am meisten erforscht. Die Frage ist natürlich dieses OPC und andere Stoffe, wie weit ist das? Sicher ein Thema ist die antientzündliche Wirkung. Ich denke, das ist unstrittig. Wie weit es dann noch andere Wirkung gibt, da muss man noch ein bisschen mehr Wissenschaft haben.

Es kann. Man muss bei Grüntee aufpassen. Grüntee darf mit bestimmten Chemotherapeutika, gerade beim malignen Melanom nicht kombiniert werden, weil das tatsächlich die Wirkung reduzieren kann. Die anderen sekundären Pflanzenstoffe sind mehr wegen der Bitterstoffqualität ein Thema.

Eigentlich alle. Man muss sie ja individuell zusammenstellen, aber es gibt so Cordyceps, Maitake, Shiitake. Das sind sicher so die bekanntesten. Aber in letzter Konsequenz kombiniert man die Pilze zur Krebserkrankung oder/und auch zu den gewählten Therapien individualisiert auf den Patienten.

Ja, das ist die orale Therapie mit Kapseln, letztendlich in der Nahrungsergänzung.