Darm

Mythos Reizdarm


Dr. Volker Schmiedel verrät uns, was es mit dem Mythos Reizdarm auf sich hat und wie dieses Phänomen behandelt werden kann.

(Sendung vom 05.05.2019)

Reizdarm ist eine psychosomatische Erkrankung. Reizdarm ist eine Ausschlussdiagnose. Das heisst, wenn wir wirklich organische Erkrankungen ausgeschlossen haben, erst dann dürfen wir wirklich von einem Reizdarm sprechen. Die Reizdarmsymptomatik ist ganz ähnlich wie bei anderen organischen Störungen. Ob wir nun eine Lactoseintoleranz haben oder ein Gallensäureverlustsyndrom, die Symptome können sehr ähnlich sein. Die Patienten klagen meist über Blähungen, die Beschwerden werden im Verlaufe des Tages meistens immer mehr, Durchfälle können vorkommen, aber auch Verstopfung. Geradezu kennzeichnend für den Reizdarm ist eine Mischung aus beiden, also 2 Tage Verstopfung, 3 Tage Durchfall oder andere Dinge. Dann sollten wir zumindest an einen Reizdarm denken.

Wenn der Leidensdruck so hoch ist, dass man am Sozialleben teilweise gar nicht mehr teilnehmen kann oder man starkes Bauchweh hat, dann gehen die Leute meistens zum Arzt. Dann wird oftmals sehr schnell eine Darmspiegelung gemacht, um wirklich gravierende organische Erkrankungen auszuschliessen. In den meisten Fällen kommt dann nichts dabei heraus. Dann wird meistens die Diagnose Reizdarm gestellt, was für mich allerdings ein bisschen zu schnell ist. Denn oftmals hat man an die anderen Diagnosen nicht gedacht. Ich behaupte etwas provokativ, 80 – 90 % aller Reizdarmdiagnosen sind falsch, denn ich habe sehr oft festgestellt, dass Patienten mit einer Reizdarmsymptomatik häufig eine Lactoseintoleranz haben, eine Fructoseintoleranz, eine Histaminintoleranz, eine Bauchspeicheldrüsenschwäche, eine Gallenfunktionsstörung, ein Gallensäureverlustsyndrom oder auch Nahrungsmittelallergien. Darum habe ich in meinem Buch all diese Ursachen beschrieben, wie man die auch in einer Stuhluntersuchung oder weiteren Diagnostikverfahren nachweisen kann.

Erstmal indem ich die anderen Ursachen ausschliesse. Wie gesagt, in den meisten Fällen finde ich etwas, dann kann man das auch sehr gut behandeln. Und wenn dann wirklich nichts anderes mehr übrigbleibt, dann bleibt der Reizdarm übrig. Der Reizdarm ist wie gesagt eine psychosomatische Erkrankung. Das heisst, es ist eigentlich in der Regel so, dass die Menschen mit Reizdarm in der Nacht keine Beschwerden haben, im Gegensatz zu den Patienten, die richtige Verdauungsstörungen haben. Die haben häufig auch nachts Probleme. Und die Probleme sind auch häufig abhängig von psychischen Problemen. Also wenn ich am Wochenende, im Urlaub überhaupt keine Beschwerden habe, aber je mehr Stress ich habe, beruflich oder privat, je mehr Darmprobleme ich dann auch aufweise, dann sollten wir wirklich an einen Reizdarm denken.

Das kann man ganz klar verneinen. Also die Patienten müssen da keine Sorgen haben. Wir wissen, dass chronische Darmentzündungen, wie Morbus Crohn oder besonders auch die Colitis Ulcerosa, nach längerer Verlaufsdauer tatsächlich ein etwas erhöhtes Krebsrisiko haben. Für Reizdarm trifft das nicht zu. Es ist ganz wichtig, dies den Patienten zu sagen, denn die leiden ja auch häufig unter Depressionen oder Ängsten. Das muss unbedingt ausgeräumt werden.

Indem man den Patienten erstmal aufklärt, also auf einer kognitiven Verstandesebene, dass man ihm da die Ängste nimmt. Dann muss der Reizdarm natürlich, da es eine psychosomatische Erkrankung ist, auch psychosomatisch behandelt werden. Das heisst, alle Massnahmen, die den Patienten beruhigen. Natürlich, wenn es irgendwie geht, Konflikte lösen. Und wenn man die Konflikte nicht lösen kann, dann besser damit umgehen. Also mit mentalen Techniken, Entspannungsverfahren, gegebenenfalls auch Psychotherapie, die auch mal erforderlich sein kann. Oder auch pflanzliche oder homöopathische Heilmittel, die beruhigend auf die Psyche einwirken.

Genau. Ich habe also die diagnostischen Grundlagen beschrieben, die man benötigt, um einen Reizdarm auszuschliessen, d.h. um andere Störungen nachzuweisen und habe dann auch therapeutische Hinweise zu den einzelnen Störungen gegeben, aber auch ein paar Seiten über die naturheilkundliche Behandlung des Reizdarms gegeben.