Machen Sie Ihren Schlaf zur Priorität!

Schlafen Sie gut?
Der internationale Gesundheitswissenschaftler
Prof. Dr. Karl J. Neeser erklärt, wie lebenswichtig erholsamer Schlaf
für unseren Körper und Gesundheit ist.


Schlaf ist unheimlich wichtig. Während dem Schlaf in der Nacht können sich unsere Organe, die den ganzen Tag volltourig arbeiten, wieder erholen. Es gibt allerdings einige biologische Systeme, die während dem Schlaf sehr aktiv sind, was wichtig ist. Zum Beispiel unser Immunsystem und das endokrine System. Da gibt es ein Hormon, das exklusiv in der Nacht ausgeschieden wird, das ist das Wachstumshormon. Tagsüber werden viele Millionen unserer Zellen beschädigt, und die müssen repariert werden. Das Wachstumshormon hat diese Aufgabe, nämlich die beschädigten Zellen wieder zu reparieren. Eigentlich ist es nicht wichtig, ob man zehn Stunden lang schläft oder nur fünf Stunden lang. Was wir unbedingt brauchen sind etwa zwei bis zweieinhalb Stunden Tiefschlaf. In der Regel hat man fünf Schlafphasen. Das ist eigentlich das Ideale in der Nacht. Eine Schlafphase dauert ungefähr eineinhalb Stunden, was bedeutet, dass eine ideale Schlafzeit ungefähr sieben bis siebeneinhalb Stunden wäre.

Wie gesagt: Wichtig sind die Tiefschlafphasen, nicht die Dauer des Schlafs.

Das ist eine sehr gute Frage! Ältere Personen, hauptsächlich Frauen, haben Probleme in diese Tiefschlafphase zu kommen, vor allem nach der Menopause. Dabei ist ein Hormon entscheidend, das Melatonin. Bei den Frauen ist es an das Estrogen gekoppelt, weshalb viele Frauen dieses Problem haben. Man kann allerdings etwas nachhelfen, indem man für gute Schlafbedingungen sorgt. Man sollte das Schlafzimmer so stark wie möglich verdunkeln und den hell/dunkel Effekt berücksichtigen. Also am Tag möglichst viel Licht (bei Sonne so viel wie möglich nach draussen), und es in der Nacht möglichst dunkel haben. Das favorisiert auch die Melatoninausschüttung.

Ein Hauptgrund ist sehr wahrscheinlich als Erstes unsere sitzende Lebensweise. Die Menschen bewegen sich viel weniger als früher. Viele Personen machen die Nacht zum Tag. Es hat Abends zu viel Licht, sie sitzen noch vor ihrem Computer, ihrem Smartphone, was bedeutet, dass sie ihren Schlaf nicht richtig vorbereiten. Frühere Generationen haben das nicht gekannt. Sie haben vom Morgen bis an Abend körperlich gearbeitet, nachdem die Sonne untergegangen ist, legten sie sich todmüde ins Bett und standen mit dem Sonnenaufgang wieder auf. Diesen Rhythmus haben die letzten Generationen leider verloren.

Ein grosses Problem heutzutage sind die elektromagnetischen Felder in den Schlafzimmern. Da gibt es ganz interessante Studien. Man hat gesehen, dass die Melatoninproduktion (Melatonin ist das Hormon, das zuständig ist für die gesunde Tiefschlafphase) durch elektromagnetische Felder enorm eingeschränkt wird. Deshalb sollte man elektromagnetische Felder komplett aus dem Schlafzimmer verbannen. Man sollte keinen Fernseher, kein Smartphone, keinen Computer im Schlafzimmer haben. Das Schlafzimmer ist zum Schlafen da.

Man weiss heute, dass Schlafmangel eigentlich für alle chronischen Krankheiten ein Risikofaktor ist. Der hauptsächlichste ist vermutlich die Tendenz zu Gewichtszunahme, mit der Konsequenz von Diabetes. Schlafmanko ist ein hoher Risikofaktor für Diabeteserkrankungen. Da gibt es viele Studien, die das heutzutage bestätigen.

Schlafmittel? Wieso nicht, wenn man gerade eine schwierige Lebensphase hat? Ich denke, das kann kurzfristig einmal nützlich sein, aber nie über eine längere Phase! Es gibt eine Ausnahme, das ist das Melatonin, das aber ein Rezept vom Arzt benötigt. Das Melatonin hilft, vielleicht nicht zum Einschlafen, aber um in die wichtigen Tiefschlafphasen hineinzukommen.