Spirituelles Heilen

Spirituelles Heilen und Schulmedizin – Teil 2


Wie kommt man als Psychiater und Chefarzt zum spirituellen Heilen? Professor Dr. med. Jakob Bösch erläutert seinen Werdegang.
(Sendung vom 11.08.2019)

Ich bin schon ein unglaublich frommes Kind gewesen. Geistige oder religiöse Fragen haben mich schon damals ausserordentlich interessiert und beschäftigt. Aus diesem Grund konnte ich überhaupt in die Schule, weil ich Missionar werden wollte. Sonst wäre ich Senn auf der Alp geworden. Aber das hat sich dann so weiterentwickelt. Die Wissenschaften, vor allem die Naturwissenschaften, haben mich genauso fasziniert. So musste ich irgendwie einen Weg finden. In den 90-er Jahren musste ich durch eine schwere Krise, da meine Frau sich in jemand anderen verliebt hat und mich verlassen hat. Ich durfte zum Glück mit den vier Kindern zusammenbleiben, aber es ist mir ganz schlecht gegangen. Ich war aber damals bereits schon etwas ein Guru im Baselbiet oder in der Nordwestschweiz als Paartherapeut und Familientherapeut, und ich kannte niemanden, wo ich hätte hingehen können, der mir etwas hätte beistehen können. Dann hatte ich die Idee (damals hat es ja noch diese PSI-Tage gegeben), dass ich bestimmt dort jemanden finden würde, der mir helfen könnte. Und so war es auch. Es war eine bekannte Heilerin, mit der ich vorher aber keinen Kontakt gehabt hatte, in die ich eigentlich spontan Vertrauen gefasst hatte. Und sie ist auch wirklich für mich eine Hilfe gewesen. Es ging dann um die Frage einer möglichen Zusammenarbeit. Ich fand dann, wenn wir das machen, und da ich bereits einen wissenschaftlichen Hintergrund hatte und viel darüber gelesen hatte, dann möchte ich das selber ausprobieren. In der praktischen Arbeit herausfinden, ob es etwas bringt oder nicht. Das war der Beginn.

Es hat immer wieder unglaubliche Erfahrungen gegeben. Es war sehr bereichernd mit diversen heilenden Personen zusammenzuarbeiten – mit hellsichtigen Personen. Ja, ich habe viel gelernt in diesem Sinne. Über die Resultate wollte ich eigentlich auch eine Studie machen, aber da haben dann natürlich viele andere protestiert, das sei zu wenig und Scharlatanerie, und dann noch von einem Chefarzt. Es war ein richtiger Aufruhr. Aber ich sage jeweils, zum Glück ist die Pro-Lobby für mich immer etwas stärker gewesen, sowohl in der Politik wie an anderen Orten, als die Anti-Lobby, die es auch gegeben hat. Dieser Streit war natürlich super! Man sagt ja: « only no news are bad news, any news are good news ». Dieser Streit war interessant und hat das Ganze an die Öffentlichkeit gebracht.

Es geht halt um die Frage der persönlichen Offenheit. Offiziell in den Spitälern passiert nicht so viel, insofern ich Einblick habe, und ich habe nicht sehr viel Einblick. Aber ich würde mal behaupten, dass es wahrscheinlich in jedem Pflegeteam, in der ganzen Schweiz, Personen gibt, die an diesem Thema interessiert sind und es auch versuchen. Die vielleicht selber merken oder davon überzeugt sind, dass sie diese Begabung haben. Aber wie gesagt, offiziell ist immer noch vieles unter Verschluss, tabuisiert in diesem Sinne.